Der Stuttgarter Hans-Ulrich Grimm ist Journalist und Autor und hat inzwischen über 10 Bücher über das Thema Ernährung geschrieben, welche sich meist recht kritisch mit industrieller Verarbeitung auseinandersetzen. Laut der Infoseite von Droemer-Knaur bevorzugt er selbst frische und unverarbeitete Lebensmittel, was man nach dem Lesen dieses Buches auch gut nachvollziehen kann.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus insgesamt acht Kapiteln und widmet sich hauptsächlich den gesundheitlichen Aspekten von Zusatzstoffen in Lebensmitteln. Kapitel 7 umfasst eine Auflistung von E-Stoffen, sowohl aus künstlichen, als auch natürlichen Quellen.

Im Gegensatz zu den anderen Kapiteln, kann Kapitel 7 auch lediglich zum Nachschlagen genutzt werden. Die anderen Kapitel beinhalten allgemeine Hinweise zu Zusatzstoffen in Lebensmitteln und sind zusammenhängend zu betrachten.

Die Kapitel lauten wie folgt …

Schneller Altern Die schöne bunte Welt der Lebensmittel-Zusatzstoffe Kribbeln am Hals Über die Fälschung des Geschmacks und ihre Folgen Bittere Wahrheit Über Risiken und Nebenwirkungen künstlicher Süßstoffe Stummel im Mund Die Belastung der Kinder durch die Chemie im Essen Butter für die Armen Zusatzstoffe in Lebensmitteln: Was ist erlaubt? Geheime Zutat Clean Label: Die künstliche Natürlichkeit und ihre Tücken Chemie im Essen kann ihre Gesundheit gefährden Das Lexikon der Lebensmittel-Zusatzstoffe Anhänge Zusatzstoffe die nicht als solche gelten-Literaturhinweise -Ungesunde E-Nummern, bei denen Zusatzstoffe eine Rolle spielen können -Alphabetische Liste der Zusatzstoffe -Register Die ersten sechs Kapitel umfassen ungefähr 100 Seiten und gehen auf grundlegende Verwendungen und Risiken der Zusatzstoffe ein, aber auch, wie diese genutzt werden und wie zum Teil die Reaktionen der verwendenden Unternehmen sind.

Kapitel sieben beinhaltet eine Aufzählung von Zusatzstoffen.

Die Beschreibung zu jedem Zusatzstoff erfolgt nach dem gleichen Schema.

E-Nummer – Bezeichnung – Symbol zur Kategorisierung des Zusatzstoffes „Was ist es überhaupt?“ – Erklärung zu Sinn und Zweck der Verwendung „Risiken“ – Mögliche Gesundheitsschäden „Betrifft es mich?“ – Wo sind die Zusatzstoffe enthalten

Die Symbole zur Kategorisierung der Zusatzstoffe beziehen sich auf – gentechnische Herstellung – Gefahreneinschätzung für Allergiker – Eigenschaft in Bezug auf Geschmacksverfälschung – Kennzeichnung als besonders riskanter Stoff – Einsatz erfolgt in großen Mengen – extra hergestellter Designerstoff

Kapitel 8 beinhaltet als Anhang eine Auflistung von Zusatzstoffen, die nicht als solche betrachtet werden. So zum Beispiel mit Aromen, technische Hilfsstoffe und Enzyme, gentechnisch veränderten Stoffe und weitere.

Ab Seite 283 findet man ein 30 Seiten umfassendes Literaturverzeichnis. Seite 315 ff. beinhalten eine Zuordnung von Krankheitsbildern und Zusatzstoffen, gefolgt von einer alphabetischen Liste der erwähnten Zusatzstoffe und einem abschließenden Register.

Meine Meinung

Der Inhalt des Buches ist interessant und aufrüttelnd zugleich. Hans-Ulrich Grimm beleuchtet umfassend die Thematik Zusatzstoffe und geht dabei auf Lebensmittel ein, mit denen wir alle irgendwie in unserem Alltag zu tun haben oder hatten.

Mich hat es zum Teil doch sehr überrascht, wo überall Zusatzstoffe enthalten sind. Nicht nur in Limonaden, sondern auch in so harmlos erscheinenden Lebensmitteln wie Trockenfrüchten, um dort ein Verkleben zu verhindern.

Die Aufbereitung des Themas mit Schwerpunkt gesundheitliche Aspekte und Vorkommen fand ich sehr interessant und gelungen. Die chemische Verarbeitung findet nur am Rande eine Erwähnung, was aber auch nicht zu meinen persönlichen Interessen gehörte.

Wenn man bedenkt, dass Zusatzstoffe nicht nur aus natürlichen Früchten, sondern auch aus Holz und Rohöl hergestellt werden, wirkt die Existenz einiger Zusatzstoffe auf mich sehr befremdlich. Letztendlich würden die wenigsten Menschen freiwillig Rohöl zu sich nehmen.

Grimm geht in seinem Buch nicht nur auf die gesundheitlichen, sondern auch die politischen Aspekte von Zusatzstoffen ein. So beschreibt er unter anderem den Umgang der Europäischen Union mit Zusatzstoffen, die von Fachleuten als „Gift“ bezeichnet werden. So hat diese im Jahr 2008 einige dieser Giftstoffe sogar als Food Improvement Agents bezeichnet – Stoffe zur Verbesserung von Lebensmitteln. Ebenso werden Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten erwähnt. Ein Zusatzstoff kann in einem Staat erlaubt sein und in einem anderen wiederum nicht. Das Gleiche gilt natürlich für Warnungen auf Verpackungen.

Auch was diese Deklarationen angeht, bietet das Buch einigen Informationen. Werden natürliche Zutaten chemisch verändert und dann in einem Produkt weiter verwendet, gelten diese Zutaten als Clean-Label-Ingredienzien und nicht als Zusatzstoffe. Selbst wenn das Lebensmittel nach der Verarbeitung ganz andere Eigenschaften aufweist als ursprünglichen.

Die Anzahl der dargelegten Krankheitsbilder ist enorm und geht von Gewichtsszunahme, über Konzentrationsstörungen bis hin zur Beeinträchtigung der Geschlechtsfunktionen.

Was den ein oder anderen freuen dürfte ist die Tatsache, dass bei Lebensmitteln durch Zusatzstoffe keine Qualitätssteigerung vorgetäuscht werden darf. So ist zum Beispiel eine künstliche Färbung in Broten, Kaffee oder Schokolade nicht erlaubt.

Bei der Herstellung von Farbstoffen kann unter Umständen auch Aluminium zum Einsatz kommen, was wie ein weibliches Hormon auf unseren Körper wirkt. Aluminium zählt somit zu den Metallöstrogenen. Ebenfalls zu beachten ist, dass Farbstoffe aus gentechnisch manipulierten Pflanzen, zum Beispiel Tomaten, gewonnen werden können.

Das Buch ist voll von solchen Hinweisen und bis hierhin, habe ich nicht mal die Hälfte der markierten Textstellen hervorgehoben. Doch alle Abschnitte zu erwähnen, würde hier den Rahmen sprengen, wenn das nicht sogar bereits der Fall sein sollte.

Die Literaturhinweise sind sehr ausführlich dargelegt und lassen für mich nichts zu wünschen übrig, auch wenn ich es etwas komisch fand, dass der Autor zum Teil auf seine eigenen Werke verweist, um den Wahrheitsgehalt der Informationen zu untermauern. Dennoch gibt es genug weitere Quellen, die Erwähnung finden.

Einen guten Lerneffekt empfand ich bei der Erklärung der E-Stoffe. Hier wiederholen sich einzelne Erklärungen, was zum einen dafür sorgt, dass man diesen Abschnitt auch als Nachschlagewerk nutzen kann und sich zum anderen, durch die Wiederholungen, auch ein erhöhter Lerneffekt bietet.

Dass bei der Herstellung von Lebensmitteln und der Kennzeichnung entsprechender Inhalte durchaus gepfuscht werden kann verwunderte mich nicht wirklich, aber auch hier bietet der Auto einen weiter sensibilisierenden Part an Informationen.

Wer sich für Ernährung interessiert kann bei diesem Buch noch einiges lernen. Die 10 € sind auf jeden Fall eine lohnende Investition und jeden Cent Wert!

Weitere Informationen

Titel: Chemie im Essen – Lebensmittel-Zusatzstoffe. Wie sie wirken, warum sie schaden Autor: Hans-Ulrich Grimm Herausgeber: KNAUR ISBN: 978-3-426-78561-4 Preis: 9,99 € Homepage: Chemie im Essen bei Droemer-Knaur Sonstige Informationen: 336 Seiten

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