Nachdem ich von einem anderen Buch Ben Voids so begeistert war, musste ich mir auch sein aktuelles Buch - Gottes tote Katze - vor die Brust nehmen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch befindet sich in der ersten Auflage (März 2017) und besteht aus mehreren, teils zusammenhängenden, Kurzgeschichten.

Der Aufbau gestaltet sich nach Inhaltsverzeichnis wie folgt ...

Einleitung

  1. Nutzloses Wissen über ihr Universum
  2. Lager Das viereckige Haus am Ende der Straße
  3. Von Herrn Klein
  4. Vom Arschloch
  5. Vom Ästheten Intermission
  6. VOODOO
  7. Der Futurist
  8. Versammlung der Schweigenden
  9. Gottes tote Katze Nachwort:
  10. Brüllsaufen im Tal der Könige Bonus:
  11. Die schwarze Pyramide
  12. Der Atem des Drachen

Meine Meinung

Das Konzept des Nihilismus finde ich generell zwar sehr interessant, aber nicht sehr praktisch. Das was geschieht, hat unter neutraler Bewertung, tatsächlich keine eigene Natur, ist im Prinzip sinnlos. Allerdings sind wir Menschen in der Lage den Dingen selbst, auf kognitiver und emotionaler Ebene, allem einen Sinn zu geben.

Das Buch liefert jedenfalls genau das, was der Klappentext verspricht. Es regt zum Nachdenken an und hat mir selbst den (nicht ganz angenehmen) Spiegel vorgehalten. Der Autor verwendet dabei eine sehr direkte und tabulose Sprache, was auf mich teils sehr "krass" wirkte, aber die Intensität der einzelnen Handlungen sehr gut untermalt. Hierbei schlich sich in meinen Augen aber auch ein Fehler ein, indem aus einem Herrn Klein, im weiteren Verlauf des Buches, ein Herr Kurz wurde.

In den ersten Kapiteln dreht es sich um von der Gesellschaft fallen gelassenen Individuen, die ihr jämmerliches Dasein in dem gleichen Ort verbringen und scheinbar in dem gleichen Haus wohnen - zum Teil gleichzeitig, zum Teil nacheinander. Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass in den einzelnen Geschichten immer wieder bestimmte Bilder kreiert werden, die nach und nach, mit Hilfe der weiteren Kurzgeschichten, ein immer größer werdendes Gesamtbild ergeben. Hierbei wird ein schöner Raum für Interpretationen und eigene Gedanken geschaffen, bei dem man nie sicher sein kann, ob die eigenen Gedanken zu den Geschichten passen!

Die Protagonisten wirken so skurril wie ihre Geschichten, haben meistens einen psychischen Schaden und wurden, bzw. werden, von ihrem Umfeld alleine gelassen. Dies führt dann entweder zum Alkoholismus, dem Sehen von überdimensionalen Arschlöchern an der Wand, einem absoluten Psychopathen oder zum Suizid.

So findet sich im Kapitel "Der Ästhet" ein unscheinbarer Victor wieder, der sich schnell als Serienmörder entpuppt. Besonders makaber empfand ich die emotionale Gleichgültigkeit wie die Opfer umgebracht wurden und auf welche Art dies geschah. An der ein oder anderen Stelle dachte ich mir "Das hat er jetzt nicht wirklich geschrieben!?". Wie oft liest man schon von einem Mord, bei dem das Opfer eine 40 cm lange Salami am Stück in den Rachen geschoben bekommt und diese dann noch eingebuttert wird, nachdem das Nachdrücken zu schwer wurde?

So brutal die Schilderungen auch waren, so musste ich mich am Ende doch schämen, da ich die Schilderungen irgendwie faszinierend empfand und gespannt war, wie das nächste Opfer sein Leben aushauchen würde. Das war für mich mein persönlicher, mit Scham verbundener, Spiegel.

Die letzten Geschichten des Buches erhielten einen ruhigeren Charakter und waren, weil weniger Brutal, ein angenehmer Ausklang.

Ob das Buch jetzt das erreicht hat, was der Schriftsteller erreichen wollte, kann ich nicht beurteilen. Allerdings hat es mir vor Augen geführt, dass es viele Menschen gibt die keinen Platz in der Gesellschaft finden, von ihr vernachlässigt werden und dann eben zu Alkoholikern, Selbstmördern oder Psychopathen werden. Es erinnert mich irgendwie daran, dass man nicht immer wegsehen sollte und hinter jedem Schicksal auch eine Geschichte steckt.

Das Buch ließ sich sehr gut lesen. Die Geschichten sind kurzweilig und die einzelnen Handlungsstränge lassen sich gut verfolgen. Die Sprache ist, wie bereits geschrieben, sehr direkt und tabulos, was vielleicht schockieren kann, aber meiner Meinung nach auch perfekt zum Buch passt. Mich hat es überzeugt und ich habe es nicht nur für mich selbst geholt, sondern auch zwei weitere Male verschenkt.

Wer makabere Geschichten mag und keine Hemmungen hat über sich selbst nachzudenken wird hier fündig! Klare Kaufempfehlung!

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